Support

Lorem ipsum dolor sit amet:

24h / 365days

We offer support for our customers

Mon - Fri 8:00am - 5:00pm (GMT +1)

Get in touch

Cybersteel Inc.
376-293 City Road, Suite 600
San Francisco, CA 94102

Have any questions?
+44 1234 567 890

Drop us a line
info@yourdomain.com

About us

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit.

Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa. Cum sociis natoque penatibus et magnis dis parturient montes, nascetur ridiculus mus. Donec quam felis, ultricies nec.

Have any Questions? +01 123 444 555

von

Impulse aus dem Philosophischen Salon

Wie kann Vergebung (nicht) gelingen?

Beim Philosophischen Salon (01.03.2025) kreisten unsere Gedanken um das Thema der Vergebung. Wir starteten mit diesen Fragen ins Gespräch:

  • Was bedeutet ‚Vergebung‘?
  • Wann kann man (nicht) vergeben?
  • Warum sollten wir Vergebung (nicht) anstreben?
  • Wie kann Vergebung (nicht) gelingen?

Auch dieses Mal hat mir der Austausch mit den anderen wertvolle Impulse geschenkt, die ich hier auf meine Art Revue passieren lassen möchte.

Verletzungen in Beziehungen

Gleich am Anfang stellten wir fest: Beim Thema Vergebung kommen einem häufig die Geschichten aus privaten Beziehungen – Familie oder Freundeskreis – als Erstes ins Gedächtnis. Vergebung scheint genau dann wichtig zu sein, wenn es um innige Beziehungen geht: da, wo Emotionen im Spiel sind, wo man gefühlt nackt und vertrauensvoll voreinander steht. Es sind scheinbar die Beziehungen, in denen jene Verletzungen geschehen, die so schwer zu vergeben sind.

Tiefe Vergebung
Comic-Bild von einem Mann in antiken einfachen Klamotten, der einen großen Stein den Berg hoch rollt

Ein Aspekt, der uns beschäftigt hat, war das radikale Vergeben. Sich selbst zwingen, anderen zu vergeben – das ist schwierig, vielleicht sogar unmöglich. Es ist wie eine Last, die man hochstemmt und die, wie bei Sisyphos, doch wieder herunterrollt. Aber in „radikal“ steckt „radix“, die Wurzel. Es geht also darum, nicht nur an der Oberfläche zu vergeben, sondern bis in die Wurzeln tief hinein Vergebung gelingen zu lassen. Damit tiefgehende und wahrhaftige Vergebung gelingen kann, braucht es Abstand und Zeit.

Zeit und Raum, um zu verstehen

Die Zeit ist ein wichtiger Faktor, damit wir die Sache, die uns so verletzt hat, mit etwas ruhigerem Gefühl betrachten können. Die Zeit gibt uns den Raum, um zu verstehen, was geschehen ist. Vergebung hat damit auch etwas mit Verstehen zu tun – aber nicht mit Verständnis, Vergessen oder Relativieren. Man kann die Perspektive des anderen einnehmen, es nachvollziehen, aber man muss dafür kein Verständnis haben. Man darf bei sich bleiben.

Verstehen spielt bei mir jedenfalls eine wichtige Rolle. Ich möchte bis in die Wurzeln hinein verstehen, was passiert ist, warum es passiert ist und manchmal auch, warum ich es selbst habe geschehen lassen. Wenn mein inneres Kind durch das Geschehene noch in der Schockstarre ist, dann ist es mir wichtig, mit ihm in den Dialog zu treten. Habe ich aus dem Erfahrenen gelernt, dann weiß ich beim nächsten Mal etwas besser, worauf es in einer Beziehung – sei es privat oder beruflich – ankommt. Zu guter Letzt ist es auch wichtig, mir selbst zu vergeben, weil ich vielleicht zur Eskalation beigetragen habe oder weil ich mich selbst nicht rechtzeitig beschützt habe.

Gelingt mir dann die Vergebung, dann ist das Geschehene bei mir irgendwann nur noch ein Erinnerungsstück in meinem persönlichen Museum der Vergangenheit. Manchmal gehe ich daran vorbei und betrachte es, aber es beherrscht mich nicht mehr. Ich habe bis in die Wurzeln hinein gelernt, was zu lernen war. Und das braucht Zeit. Demgemäß lohnt es sich, den Prozess zu durchlaufen, sich den Raum zu geben für die Gedanken, die Gefühle, und schrittweise die Distanz zum Erlebten zu gewinnen.

Grenze der Vergebung

Es ist auch wichtig, dass Vergebung nur gelingen kann, wenn die Gefahr nicht mehr akut ist. Ich kann nicht mit jemandem leben oder arbeiten, der mich tagtäglich verletzt, und gleichzeitig  dieser Person immer wieder aufs Neue vergeben. Das ist nicht nur anstrengend, sondern auch nicht sinnvoll – es ist sogar selbstgefährdend. Setze ich mich immer wieder der gleichen Gefahr aus, dann habe ich offensichtlich nicht dazu gelernt.

Vergebung zwischen Überheblichkeit und Gerechtigkeit

Wir haben noch eine andere Perspektive eingenommen: Ist Vergebung nicht auch etwas Gönnerhaftes? „Ja, ich vergebe dir, du bist schuldig, ich bin unschuldig, ich steh über dir, weil ich der moralische Sieger bin.“ Bei echter Konfliktklärung versucht man idealerweise zusammen aufzuarbeiten, was passiert ist, und gemeinsame Erkenntnisse zu gewinnen. Wie aber soll man lösen und vergeben, wenn der andere sich an diesem Prozess nicht beteiligt? Wie kann Vergebung gelingen, wenn es zuvor keine Entschuldigung gab – vor allem, wenn ein Gewaltverbrechen stattgefunden hat? Der Täter, der mir Gewalt angetan hat, wird vermutlich nicht zu mir kommen und um Vergebung bitten. Er (oder sie) wird mich bei meiner Heilung nicht unterstützen. Wie gehe ich damit um? Sehne ich mich nach Gerechtigkeit oder sogar nach Rache? Wo bringt mich das hin, wenn ich in dieser Situation nicht vergeben kann?

Und so kamen wir noch auf eine ganz andere Frage: Gibt es eine Alternative zur Vergebung? Wir sprachen in Zuge dessen auch über Gerichtsverfahren und inwiefern die Verurteilung eines nachweislichen Täters bei der Vergebung hilft oder die Alternative dazu ist. Dabei geht es vermutlich weniger um die Strafe an sich als um die offizielle Anerkennung der Tat. Die Schuld wird anerkannt und öffentlich sichtbar: „Ich bin Opfer, siehst du, ich habe recht bekommen, siehst du, mir wurde Böses angetan.“ Das Opfer kann vielleicht aus dieser Genugtuung heraus loslassen und vergeben.

Die Kunst der Vergebung

Wenn weder der Täter noch das eigene Umfeld, den Schmerz um die Ungerechtigkeit anerkennen, dann wird der Weg zur Vergebung steinig, weil man sich mit dem Gefühlskarussell alleingelassen fühlt und womöglich noch an der eigenen Wahrnehmung und Beurteilung verzweifelt. Dann gesellt sich oft auch die Einsamkeit dazu. Man sitzt im Käfig der eigenen Gedanken und Gefühle und irgendwie weiß man dennoch: „Es wäre schön, zu vergeben und loszulassen!“

Damit kommen wir zur eigentlichen Kunst, Vergebung gelingen zu lassen – wenn der Richterbeschluss nicht geschieht, wenn dein Umfeld sich nicht um deinen Schmerz kümmert, wenn der (vermeintliche) Täter sich nie bei dir entschuldigt. Wie gelingt also Vergebung unabhängig von einer Entschuldigung, Reue und Anerkennung?

Es führt kein Weg daran vorbei: Man muss Wut und Schmerz durchleben, sich selbst den Raum und die Zeit für all diese Gedanken und Gefühle geben und daraus lernen. Wir müssen uns beispielsweise diese Fragen stellen: „Was hat das, was passiert ist, mit mir zu tun? Warum ist es passiert? War ich einfach nur Opfer, oder kann ich etwas draus lernen? Kann ich mir vergeben, dass ich das über mich habe ergehen lassen? Kann ich mich in Zukunft besser beschützen?“

Warum aber soll man vergeben?

Einerseits ist es anstrengend, nicht zu vergeben und das Geschehene ständig mit sich herumzuschleppen – immer wieder in die Achterbahnfahrten dieser Gedanken und Gefühle einzusteigen.

Andererseits lohnt sich die Vergebung, weil sie uns ein Stück weiser machen kann, wenn wir das Geschehene in unserer Biografie integrieren. Wenn wir den Nährboden fürs Weitermachen und die Resilienz finden, können wir erkennen, wie stark wir durch diese Erfahrung geworden sind. Wenn Vergebung gelingt, dann gehört das, was geschehen und verarbeitet ist, zu uns. Es hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind.

Allerdings ist die traumatisierende Erfahrung nicht alles, was mich als Menschen ausmacht, sondern eine Erfahrung in der Vergangenheit. Sie soll nicht identitätsstiftend sind, denn ich bin so viel mehr als diese Erfahrung. Dabei hilft ein gesunder Egoismus: Damit man zu sich kommen kann, empfiehlt es sich, etwas Gutes für sich selbst zu tun. Erlebe ich mich mit neuen Menschen oder neuer Arbeit in einem sicheren Umfeld, dann spüre ich, dass ich mehr bin als der Schmerz oder das, was der Täter aus mir machen wollte. Man befreit sich aus der Opferrolle und von der Übermacht des Täters: „Ich denke nicht mehr ständig an ihn/sie und an das, was er/sie mir angetan hat. Ich bin wieder bei mir und habe die Macht über mein Leben zurückgewonnen.“

Irgendwann spüren wir, dass es weitergeht. Vergebung befreit – von der Macht des Täters, vom ständigen Mittragen der Last. Sie schafft neuen Entfaltungsraum für mich, bringt mich zurück in die Selbstbestimmung und Selbstermächtigung. Nicht zu vergeben ist anstrengend, ein ständiges Schleppen und Grübeln – eine Sisyphos-Arbeit.

Das mystische Moment der Vergebung

Am Ende sind wir über den Vergebungsauftrag im machtvollen 'Vaterunser' zu einem Aspekt gekommen, der sich kaum benennen lässt: Vergebung kann irgendwann auch einfach geschehen. So wirklich beschreiben lässt sich dieses Moment oder dessen Ursache nicht. Es ist ein mystisches Phänomen. Plötzlich hört das Grübeln über das Geschehene oder den bösen Menschen einfach auf.

Fazit

Somit ist radikale Vergebung – ein Loslassen, vielleicht auch ein Auf-Geben: Man gibt auf, lässt los, und dann kommt die Kraft zurück, weil man wieder bei sich ist, weil man verstanden hat, dass man mehr als das ist, was in der Vergangenheit geschehen ist. Damit ist Vergebung ein (Heilungs-)Prozess, der Zeit braucht, sich aber lohnt – weil er mich zu mir zurückführt, mich leichter und freier macht.

 

Hypatia-Newsletter

Wenn du keinen philosophischen Salon oder Artikel im Hypatia-Blog verpassen möchtest, dann...

...melde dich für unseren Newsletter an:

Zurück

Copyright 2025 © Hypatia CMP

Einstellungen gespeichert
Datenschutzeinstellungen