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Impulse aus dem Philosophischen Salon
Demut in mir, zwischen uns und in der Gesellschaft
Am 10. Mai 2025 fand in den Räumen von Hypatia CMP in Freiburg ein Philosophischer Salon statt, der sich dem Thema Demut widmete – ein Begriff, der in unserer Zeit voller Selbstoptimierung und Individualismus selten Beachtung findet. Die Gäste ließen sich von diesen Fragen über Demut einladen:
- Kann uns Demut als Tugend, zu einem besseren Miteinander führen?
- Welche Rolle spielt Demut in der Persönlichkeitsentwicklung, in Beziehungen oder bei gesellschaftlichen Themen wie die narzisstische Selbstdarstellung in Social-Media?
- Kann Demut helfen, unsere Begrenztheit anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen - oder fördert sie (Selbst-)Abwertung, die uns in unserer Entfaltung ausbremst?
- Brauchen wir Demut heute noch? Verwenden wir heute dafür andere Begrifflichkeiten?
In der Lerchenstraße 2 versammelten sich schließlich 8 Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten, um in einer Atmosphäre des Zuhörens und der Offenheit gemeinsam zu reflektieren. Der Nachmittag war geprägt von einer Vielfalt an Perspektiven, persönlichen Geschichten und Impulsen, die zeigten: Demut ist kein verstaubtes Relikt, sondern eine lebendige Haltung, die uns herausfordert.
Im Folgenden lass ich einige Aspekte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Revue passieren, sondern vielmehr tangierend als Fragen und Assoziationen zum Weiterdenken.
Einstieg
Wir begannen das Thema mit der Beobachtung, dass die Begriffe 'Demut' und 'Demütigung' in letzter Zeit häufiger in den Medien zu finden sind, etwa in Bezug auf den Papst oder den gescheiterten ersten Wahlgang des Bundeskanzlers Friedrich Merz.
Eine Teilnehmerin berichtete aber von ihrem persönlichen Bezug dazu. Früher hat sie Demut stark mit Bescheidenheit in Zusammenhang gebracht. Doch schon bald erlebte sie Demut durch ihre Lebenserfahrungen und tiefgreifenden Veränderungen. Auch in Anbetracht der Welt, wenn sie sich beispielsweise die Entstehung der Welt vorstellte, kam sie ins Staunen und in die Demut. Letztendlich wurde der Begriff der Demut bei ihr durch Dankbarkeit abgelöst. Für sie ist Dankbarkeit die erwachsene Form von Demut - vielleicht im Sinne einer Dankbarkeit für das, was sie durchleben und erlernen durfte.
Demut, Hochmut und die Erdung durch Selbsterkenntnis
Ein Teilnehmer beschrieb Demut als Selbsterkenntnis: Er weiß, was er kann, und dass er nicht alles kann, und das ist in Ordnung für ihn. Das Bewusstsein für das Unkontrollierbare - nicht alles ist beherrschbar - bedeutet für ihn Demut. Sich davon nicht abschrecken zu lassen, sondern es anzunehmen, in die Akzeptanz der eigenen Begrenztheit zu gehen, ist für ihn demütige Stärke. Er brachte zudem den Aspekt der Erdung mit ein und verwies auf das englische humility für ‚Demut‘, was auf das lateinische humilitas, das humus (Erde) zurückgeht. Für ihn war die Erkenntnis der Erdung relevant, weil eine demütige Haltung bedeutet, anerkennen zu können, dass man nicht alles im Griff haben kann.
Die Gegenüberstellung von Demut und Hochmut war diesbezüglich auch inspirierend. So wurde die Frage gestellt, ob wir Hochmut brauchen, um Großes zu wagen. Oder ist es die Demut, die wir durch Selbsterkenntnis erlernen: wodurch ich die eigenen Grenzen verstehe; durch die meine Erdung und Bodenhaftung stärker wird, sodass ich von dort aus zu den Sternen greifen kann? Wir haben somit darüber nachgedacht, was stärker macht: Demut oder Hochmut? Was bringt uns voran? Dabei wurde Demut erneut als Selbsterkenntnis beschrieben: Ich bin stark, weil ich demütig bin, weil ich mich und meine Grenzen kenne. Das ist vielleicht jene wahrhaftige Selbsterkenntnis, aus der man sich weiterentwickeln kann.
Demut, Demütigung und Gelassenheit
Ein wiederkehrender Aspekt war die Unterscheidung zwischen Demut und Demütigung. Demut wurde als positive innere Haltung gedeutet, während Demütigung auch als negative (ohnmächtige) Erfahrung wahrgenommen werden kann. Wenn man gedemütigt wird, hat man das nicht unbedingt selbst im Griff. Man ist vielleicht das Opfer einer nicht selbst gewählten destruktiven Erniedrigung.
Bei der Frage, wann Demütigung wirklich verletzend ist und was passiert, wenn jemand sich destruktiv gedemütigt fühlt, unterschied eine Teilnehmerin zwischen der Beziehungsebene und der Sachebene: Auf der Beziehungsebene gedemütigt zu werden, ist unter Umständen schmerzhaft, persönlich und unfair. Auf der Sachebene ist es etwas anderes. Doch es hängt auch von der Deutung ab: Ein Sender kann auf der Sachebene kritisieren, aber der Empfänger interpretiert es auf der Beziehungsebene und fühlt sich vielleicht (zu Unrecht?) gedemütigt.
Es stellten sich diesbezüglich noch Fragen wie: Wie viel ist freiwillig an der Demütigung? Demütige ich mich selbst? Gebe ich mich der Demütigung hin? Bin ich einer destruktiven, zerstörerischen Demütigung ausgeliefert? Kann ich die Herausforderung der Demütigung annehmen und daraus einen Entwicklungsprozess entstehen lassen? In diesem Zusammenhang überlegte ich mir auch, inwiefern der Widerstand gegenüber einer Demütigung den Entwicklungsprozess zu einer Haltung wie der Demut verhindern kann.
Demütigung hat damit vermutlich aktive und passive Momente: Sich selbst demütigen ist aktiv; (ungewollt) gedemütigt zu werden, widerfährt einem passiv. Ein Teilnehmer gab aber zu bedenken, dass Demütigung vielleicht nur aktiv sein kann, weil es eben die (ureigene und gewollte) Erkenntnis beinhalte, dass man eben nicht alles im Griff haben könne. An dieser Stelle, aber auch später, sprachen wir in verschiedenen Zusammenhängen über das Zulassen der Demütigung, der daraus resultierenden Lernerfahrung und das Ankommen in der Demut: einer Haltung, die uns vom Feedback der Welt frei macht und den Weg zur inneren Gelassenheit ebnet. z.B. Wenn ich geerdet bin, brauch ich weder dein Lob, noch lasse ich mich von deiner Abwertung meiner Person entgleisen. Ich ruhe demütig und gelassen in mir.
Im Nachhinein ging mir noch durch den Kopf, dass Demütigung zuerst oft boshaft und verwerflich gedeutet wird. Beim weiteren Nachdenken über Demütigung zeigt sich mir aber auch die positive Transformationskraft, die im Erleben einer Demütigung stecken kann. Und diese Demütigung muss auch nicht immer gleich boshaft sein. Vielleicht entspringt sie einer tiefen Bewunderung für jemanden oder sie gründet in einer destruktiven Erfahrung, die im Erleben unangenehm ist, aber in uns Altes dekonstruiert und den Weg fürs Neue ebnet.
Demütig beten, kämpfen und fallen
Ein Teilnehmer brachte seine Kindheit im kirchlichen Kontext ein: Im Gebet sollte er in Demut versinken, den Kopf beugend betend, aber das sei ihm immer schwergefallen. Er habe den Kopf nicht beugen können (oder wollen?).
Kulturelle Perspektiven kamen durch die Rolle der Demut in asiatischen Kulturen auf, besonders in der Kampfkunst. Eine Teilnehmerin, die viel über Aikido wusste, gab detaillierte und spannende Einblicke, die sich hier kaum alle zusammenfassen lassen. Angemerkt sei aber das Folgende: Demut sei in der Kampfkunst wichtig. Nicht demütig zu sein, sei regelrecht peinlich. Die Verbeugung - ein sichtbares Zeichen der Demut - sei ritualisiert, ein Zeichen des Respekts. Sie beschrieb auch das ritualisierte Wechselspiel der Rollen - einmal angreifend und einmal angegriffen -, und dieses Rollenspiel lehre Demut: Man lasse sich zu Boden bringen, und das mache etwas mit einem. Jeder spiele mal die eine oder die andere Rolle. Darin erlebe man Resilienz, Flexibilität und einen spannenden Verhandlungsraum. Aikido ist stark ritualisiert, mit einer statischen Hierarchie, und im Hintergrund ist die Ahnenreihe von Bedeutung: Man stünde in einer Kette von Ahnen, sei demütig angesichts der eigenen Rolle darin, aber auch wertvoll als Glied dieser Kette.
Eine Teilnehmerin war tief beeindruckt von der beschriebenen Dynamik im Aikido, nämlich davon, dass beide Aspekte - Gewinnen und Verlieren, Kämpfen und Fallen - ausgelebt würden und beobachtete, wie diese dynamische und ritualisierte Selbsterfahrung in unserer westlichen Gesellschaft fehle - einer Gesellschaft, die vielmehr aufs Gewinnen gepolt sei.
Unsere Aikido-Expertin beschrieb auch, wie unangenehm und herausfordernd es sei zu fallen. Wir diskutierten deswegen auch kurz die Reaktion auf Kinder, die fallen. Oft kann man Eltern beobachten, die darauf mit Sätzen regieren, wie: 'Ist nichts passiert!' oder 'Ist alles gut!', aber das stimmt nicht. Fallen fühlt sich manchmal wie ein Erdbeben im eigenen Körper an, es ist unangenehm und erschreckend. Eine derartige Reaktion ist aber eine doppelte Demütigung, weil sehr wohl etwas passiert ist: Zum einen ist das Kind mindestens vom Fallen erschrocken und braucht vielleicht dafür kurz Trost und zum anderen wird die Selbstwahrnehmung des Kindes verwirrt (i. S. von Gaslighting), dem nun von einer erwachsenen Autorität eingeredet wird, der Schrecken und der Schmerz würden nicht existieren. Das Kind wird nicht in seiner Erfahrung wahrgenommen und stattdessen in seinem Ausdruck von Schmerz gedemütigt - oder sagen wir lieber, missachtet und verwirrt.
Ein Teilnehmer erzählte von Soldaten, die bei der Vereidigung in die Knie gehen, ähnlich wie die Priester bei der Weihe. Für ihn als Beobachter sei dieser absolute und demütige Gehorsam beindruckend gewesen, aber auch befremdlich.
Demut und Demütigung in Hierarchien
Eine Teilnehmerin brachte die systemische Sichtweise ein: Demut beobachte sie auch beruflich in Rangordnungen, sei es in Hierarchien in Unternehmen, in den Familien oder in der Politik. Der Zusammenhang zwischen einem zwischenmenschlichen System und der Demut wurde daraufhin immer wieder zum Thema gemacht.
Hinsichtlich der politischen Hierarchie reflektierten wir beispielsweise, was es für einen Politiker bedeute, dem Volke in aller Demut zu dienen. In der unternehmerischen Hierarchie erleben Menschen auch Demütigung im Sinne der Abwertung von hierarchische höherstehenden Menschen. Demut ist auch in der familiären Rangordnung wichtig: Haben Kinder Demut vor den Eltern? Werden Kinder gedemütigt? Was bedeutet das? Wie kann man hier Demütigung einerseits positiv (förderlich und konstruktiv für die Beziehung) und andererseits negativ (destruktiv, respektlos und abwertend) deuten?
Hinsichtlich der betrieblichen Hierarchie verwies eine Teilnehmerin darauf, dass den Alten nicht automatisch mit mehr Demut zu begegnen sei, dann auch die Jungen könnten Wertvolles mit einbringen. Ein Teilnehmer bemerkte umgekehrt, dass es nicht immer so sei, dass die Höheren die Unteren demütigen würden. Menschen mit längerer Betriebszugehörigkeit, die mehr Erfahrungen gemacht haben, seien oft demütiger als die mit kürzerer Betriebszugehörigkeit. Demut vor denen, die hierarchisch über uns stehen, muss auch keine Abwertung sein, sondern kann vielmehr eine Würdigung von besonderen Verdiensten sein. Daraus lässt sich schließen, dass man demütig zu jemanden aufblickt, wenn diese Person nicht nur offiziell in der Hierarchie über uns steht, sondern sich durch besondere Leistungen hervortut. Demgemäß werden offizielle Autoritäten von uns oft nicht respektiert oder angenommen, wenn sie in unseren Augen keine ersichtliche Leistung bringen.
Die zuvor erwähnte transformative Kraft durch Demütigung kam auch im Rahmen der Organisationsentwicklung zur Sprache, wo sie einen dynamischen Prozess auslösen könne. Ein Teilnehmer beschrieb den Prozess der Demütigung als eine Zirkularität: Man startet ein Thema, ist hochmütig oder motiviert, wird ausgebremst, weil Dinge vielleicht nicht planmäßig laufen, und kommt in eine Erfahrung, die einen demütig macht, aus der heraus man weiterlernt.
Ein anderer Teilnehmer betonte, dass er keinen Bezug zwischen Hierarchie und Demut wahrnehme. Hierarchie sei, was da ist. Man respektiert die Dinge, wie sie sind, aber hat deswegen nicht automatisch Demut vor den hierarchisch Höherstehenden.
Reflexivität und demütiger Rollentausch
Eine Teilnehmerin berichtete über die Nobelpreisträgerin, Katalin Karikó aus Ungern, deren Forschung zur mRNA ein wesentlicher Baustein für die Entwicklung des Corona-Impfstoffs war. Dieser späten Ehrung gingen jahrzehntelange Demütigungen voraus, weil sie kaum von Kolleg:innen ernst genommen wurde. Sie hielt aber durch und ließ sich - vielleicht demütig - nicht von ihrem Weg abbringen. Beispielhaft erwähnte die Teilnehmerin auch die Grundlagenforschung in der Neurologie, in der man früher nur diagnostizieren konnte, und erst durch die intensiven und kleinschrittigen Bemühungen unzähliger Forscher:innen, gelang es irgendwann auch Therapien zu entwickeln, die heute Leben verbessern und retten. In Anbetracht dieser großen Forschungsleistung könne man nur demütig sein.
Auch über Banksy wurde gesprochen und die Ausstellung, die gerade in Freiburg stattfindet. Dieser Künstler hat viel bewirkt, mutige Kunst gemacht und sich doch immer versteckt - demütig und ohne Bedarf nach Scheinwerferlicht.
Die gleiche Teilnehmerin berichtete von einer Hebamme, die zu ihrem eigenen Workshop zu spät kam: Alle seien von der Verspätung irritiert gewesen, vor allem, weil, als die Hebamme endlich kam, sich diese nicht entschuldigt habe. Die Teilnehmerin hätte sich an dieser Stelle von der Hebamme mehr Demut gewünscht. In der Pause erklärte die Hebamme auf Nachfrage, sie sei zu spät gewesen, weil sie auf dem Parkplatz spontan einer Frau bei der Entbindung geholfen hätte. Die Irritation sei in diesem Moment verflogen und der Demutsanspruch sei auf die Teilnehmerin zurückgesprungen. Sie wollte Demut von der Hebamme, aber durch deren Erklärung wurde sie selbst gedemütigt.
Ein anderer Teilnehmer erzählte die 'Geschichte vom Ärgern': über einen Vater, dessen Kinder in einem Zug laut waren. Da der Vater sich nicht um sie kümmerte, wurde er daraufhin angesprochen und erklärte, die Kinder seien übermütig, weil die Mutter kurz zuvor gestorben sei. Die Wut der Mitreisenden verwandelte sich in diesem Moment vielleicht in Demut.
Gesellschaftliche Bezüge kamen auch durch den gescheiterten Wahlgang von Merz auf. Es wurde darüber nachgedacht, ob es der Demut gebührt hätte, ihn gleich beim ersten Wahlgang zu wählen, weil die neue Regierung nun ins Handeln kommen müsse. Aus den Medien wurden in diesen Tagen aber auch Stimmen laut, die diese Demütigung als verdient ansahen. Wir sprachen dann auch kurz über Hate Speech und feige Aussagen: Wie direkt sagt man etwas, wie sehr versteckt man sich, wie etwa im geheimen Wahlgang? Eine Teilnehmerin, die mit Jugendlichen arbeitet, berichtete, dass diese sich auf die sinnlosen (hochmütigen?) Streitigkeiten, wie unter der Ampelregierung, geärgert hätten und vielmehr von den Politikern erwarten würden, dass sie einfach (demütig?) ihre Arbeit leisten.
Einige Teilnehmerinnen reflektierten diesbezüglich noch die Selbstreflexivität in den eigenen Urteilen über das politische Weltgeschehen und die Politiker. Wir fordern Demut von ihnen, aber ist das nicht selbst wiederum hochmütig? Was wissen wir über Politiker in ihrer öffentlichen Rolle oder über sie als Menschen? Urteilen wir hochmütig über sie?
Ein Teilnehmer konnte sich blass an die Legende eines Mannes erinnern, der von der Kirche gefoltert und in einen Käfig gesteckt wurde, aber seinen Tod gelassen annehmen konnte. Dabei stellte der Teilnehmer uns die Frage, wer hier wen gedemütigt habe? Hat die Kirche ihn gedemütigt oder hat er die Kirche gedemütigt? Dies ließ mich an Hypatia von Alexandrien denken, die trotz ihrer demütigenden Ermordung durch (hochmütige?) Kirchenvertreter und deren Mob für die nachfolgenden philosophischen und wissenschaftlichen Entwicklung so wertvoll war und damit nicht vernichtet werden konnte.
Metaebene am Ende
Zuletzt fassten einige Teilnehmer ihre Erfahrung im Philosophischen Salon zusammen. Einer berichtete, sein Verständnis von Demut wurde in diesen wenigen Stunden um viele weitere Aspekte bereichert. Ein anderer meinte ähnliches: Demut sei beim Hereinkommen für ihn die Haltung gewesen: ‚Ich könnte mich irren.‘ Am Ende verstünde er Demut nun auch als die Haltung, die Welt, ohne sich selbst zu denken. Er wünschte sich auch, die Gesellschaft würde demütiger agieren. Ich gab dann zu bedenken, ob wir vielleicht die Hochmütigen brauchen, um durch sie Demütigung zu erleben und damit Demut zu erlernen. Eine Teilnehmerin verneinte dies klar und erinnerte uns daran, dass das eigene Innenleben, unsere Persönlichkeitsmerkmale (wie Perfektionismus, Angst oder Misserfolgsfurcht) ausreichend demütigend seien, um Lernzyklen auszulösen.
Am Ende schloss sich der Kreis wieder, als wir über die Ehrfurcht vor der Schöpfung (z.B. die Demut, wenn man den Sonnenuntergang betrachtet) sprachen.
Ich selbst habe noch lange nachgedacht und das anschließende stille Aufräumen des Praxisraumes hat geholfen, mich wieder zu erden. Ich war perplex und gedemütigt von der Vielfalt an Aspekten, die wir in kürzester Zeit gemeinsam herausgearbeitet haben, und von der Tatsache, dass diese Zusammenfassung scheitern muss, weil ich nicht alles korrekt wiedergeben kann. Wir sind viel tiefer gegangen, als dieser Text es widerspiegeln kann. Es hat mich demütig gemacht, in welcher Tiefe und Vielfalt Menschen, die einander kaum kennen, ein Thema durchgründen können. Es war erfreulich und demütigend gleichzeitig, wie gut wir einander zugehört haben, respektvoll miteinander umgegangen sind. Ich wünschte, ich könnte diese Tiefe repräsentieren, aber da komme ich an meine Grenzen – demütig, aber im guten Sinne. Wir hätten ewig weiterreden können. Das Thema war nicht ausgeschöpft, wir haben unser Philosophieren über Demut abgebrochen, nicht beendet.
Bei mir hat es lange nachgewirkt, und bei den anderen vielleicht auch. Und so hat sich, wie am Anfang beschrieben, meine Demut in tiefe Dankbarkeit verwandelt.
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Kommentare
Wenn es nicht so weit weg wäre, würde ich wirklich gerne teilnehmen und zuhören...